Frau van Gennep, unsere Nachbarin in MartapuraFrau van Gennep, erzählt: Anfang der 30er Jahre lebte in Bandjarmasin ein Japaner, der Fahrräder reparierte. Er war leidenschaftlicher Radfahrer und klapperte die ganze Gegend ab. Bei Kriegsausbruch war er verschwunden. Als die Japaner Kalimantan besetzten, kam er als deren Kommandant zurück, kannte nicht nur die Gegend, sondern auch die politische Einstellung vieler Menschen.

Aus der gleichen Quelle stammt folgende Geschichte: Im Mittelgebirge, in der Nähe von Martapura, gab es in den dreißiger Jahren einen Japaner, der eine Gummiplantage betrieb. Das war an sich schon ungewöhnlich, denn fast alle Gummiplantagen waren in der Hand von Holländern. Dieser Japaner fiel durch eine sehr soziale Einstellung auf: Für seine Gummiarbeiter baute er ein Schwimmbad und Tennisplätze, gleich sechs davon hintereinander, betoniert und mit den üblichen Gittern umgeben. Bei der Invasion der Japaner wurden die Gitter eingerissen, und schon war der Landeplatz für Flugzeuge fertig.

Noch eine japanisch-indonesische Geschichte, diesmal von Victor Peter, in den dreißiger Jahren Chefkoch in Bandungs bestem Hotel.

Ein Japaner unterhielt in der Nähe des Papandayan in Westjava eine Seidenraupenzucht. Die Seidenkokons, seine wertvollen Zuchtexemplare, ließ er gelegentlich nach Bandung zu Victor Peter bringen, der sie im Kühlraum des Hotels aufzubewahrte. War ja einleuchtend, denn Kühlschränke gab es noch nicht so viele in Indonesien. Gelegentlich wurden die Kokons dann von einem anderen Japaner abgeholt.

Später erfuhr er, dass die Kokons Spionagebotschaften enthielten, und seine Kühlkammer als Briefkasten gedient hatte.

Die Geschichte mit dem Fahrradmonteur habe ich in leichten Variationen sowohl in Java als auch in Bali gehört. Die Ähnlichkeit der Geschichten war so groß, dass ich ihrem Wahrheitsgehalt misstraue; allzuviel japanische Generäle hätten dann zu holländischer Kolonialzeit in Indonesien gelebt.

Die Tennisplatz-Variante ist aber zu originell, um ganz falsch zu sein; für eine Landepiste war es wohl etwas knapp, also darf über den Zweck gerätselt werden. Wir haben die Plantage am 26.12.1958 als Weihnachstausflug besucht. Für die 30 km von Martapura aus brauchten wir 2 Stunden.

Wir fanden das Schwimmbad, einsam im Wald und voller Blätter; aber nicht die Tennisplätze. So fuhren wieder heim, um mit dem Weihnachtsgeschenk zu spielen: viereckigen Kötzchen namens Lego.

Die Kokon-Verschlüsselung erinnert an das Vorbild in Ton-Keilschrift-Version aus alt-ägyptischen Zeiten.

Eine japanisch-indonesiche Variante im Kontrapunkt ist aber gesichert: Im Jahr 1980 aßen wir in einem Restaurant in Kaliurang am Merapi. Restaurants werden normalerweise von Chinesen betrieben, doch der 70-jährige Besitzer sah weder wie ein Indonesier, noch wie ein Chinese aus. Ich fragte den Sohn des Hauses, und er erzählte mir, dass sein Vater Japaner sein, mit indonesicher Staatsbürgerschaft, einer der wenigen eingebürgtern Japaner, die es damals in Indonesien gab. Er war im Krieg in Indonesien als Soldat gewesen und hatte sich geschämt ("rasa malu") nach Japan zurückzukehren, weil er sich verantwortlich für die Niederlage fühlte. Jahrelang verstecke er sich in Indonesien; wie er es geschafft hatte, Staatsbürger zu werden und eine Javanerin zu heiraten, habe ich nicht herausgefunden.